Warum das Erleben deiner Geburt bis heute auf dich wirkt
Unsere Geburt ist ein Ereignis, an das wir uns natürlicherweise nicht mehr erinnern können.
Oftmals wird darüber geschwiegen. Vorbei ist vorbei und am Ende ist ja alles gut gegangen, so oder ähnlich ist der allgemeine Tenor. Besser nicht zurück blicken. Aber das alles gut gegangen ist, das ist möglicherweise nur ein Teil der Wahrheit. Deshalb ist es so wertvoll, Fragen zu stellen. Egal in welchem Alter.
Wir können Antworten finden, die uns im Hier und Jetzt sehr weiterhelfen um zu verstehen, warum wir mit gewissen Themen im Leben immer und immer wieder konfrontiert sind. Und das oftmals ohne einen plausiblen, erkennbaren Grund.
Lass uns einen Blick ganz zum Anfang unseres Lebens richten.
Der beginnt in der Gebärmutter unserer Mutter – und dort wir werden bereits geprägt. Wie geht es unserer Mutter? Freut sie sich auf uns oder ist sie eher besorgt? Wie kommt ihr Körper mit der Schwangerschaft zurecht? Sind Ängste da? Wie reagiert das Nervensystem der werdenden Mutter darauf? Wird die Schwangerschaft mit Freude erlebt oder eher nicht? All das bekommt das Baby schon im Bauch der Mutter mit.
Wie das Baby geboren wird, hat einen großen Einfluss auf das spätere Leben dieses Menschen.
Wenn die Geburt kompliziert war, dann kann das mit Todesangst einher gegangen sein. Keine Luft zu bekommen, irgendwo festzustecken – einige kleine Menschenkinder haben dies schon sehr früh erlebt. Und dieses Erlebnis hat ihr kleiner Körper gespeichert.
Hat das Baby dann das Licht der Welt erblickt, passiert der stärkste Bindungsmoment im Leben.
Nun ist die wichtigste Frage für das Neugeborene - wie kommt es an? Fühlt es sich sicher in dieser neuen Welt? Fühlt es sich willkommen? Wie wurde es, im wahrsten Sinne des Wortes, entgegengenommen?
Es ist sehr entscheidend, was direkt nach der Geburt passiert.
Alles ist neu, das Licht, die Stimmen, die Geräusche, die Temperatur und die Gerüche. Wie geht man mit dem Neugeborenen um, wie wird es in seinem Ankommen unterstützt? Ist seine Mama bei ihm oder wird es irgendwo zwischen Ärzten, Hebammen und Krankenschwestern hin- und hergereicht, die es allesamt nicht kennt? Muss es darüberhinaus vielleicht medizinisch notversorgt werden oder kommt in einen Brutkasten? Wird es länger von der Mutter getrennt?
Seine Mutter ist die sichere Bezugsperson. Sollte das Neugeborene vielleicht schon in der Schwangerschaft eine eher stressige, und somit unsichere Zeit, erlebt haben und fühlt sich nun schon gleich bei der Ankunft allein gelassen, ist das auf die Welt kommen schlichtweg enttäuschend.
Plötzlich allein sein, sich unsicher und verlassen fühlen, das alles hat das Potential, das Baby emotional und körperlich zu überwältigen. Es ist unmöglich, die Situation kognitiv einzuordnen - aber fühlen kann es alles. Dass diese Welt kein sicherer Ort ist, das kann nun unbewusst zu einer tiefen Prägung werden.
Wie ging es ein paar Stunden nach der Geburt weiter?
Vielleicht gehörst du zu der Generation, die noch mit anderen Babys zusammen ins Stations-Kinderzimmer gelegt wurde. Die nicht an dem Ort bleiben durften, an dem sie sich sicher und geborgen gefühlt hätten – bei ihrer Mama. So lagen diese Baby zusammen mit anderen in einem Raum und da war Angst. Angst, allein zu sein, verlassen von ihrer wichtigsten Bezugsperson. Die Nervensysteme der Babys waren deshalb hochgefahren und sie alle erlebten das Gleiche. Sie steckten sich mit ihrer Unruhe gegenseitig an. Niemand kam, um sie nachhaltig zu regulieren. Welch gruselige Erfahrung für ein Wesen, welches gerade erst in dieser Welt angekommen ist.
Nun kommt die nächste Herausforderung. Das Baby kommt nach Hause.
Was erlebt es dort? Fühlt es sicher? Ist dieses Zuhause ein Ort, an dem sich das Baby langsam und sanft in das Leben außerhalb des Mutterleibs einfinden kann? Was bekommt es zu hören, zu fühlen, zu sehen? Und das allerwichtigste: wenn es aufgeregt ist, kommt seine Mama (oder eine andere wichtige Bezugsperson), um es zu regulieren? Und ihm damit zu sagen, dass alles in Ordnung und sicher ist? Was erlebt das Nervensystem?
Das Baby fängt an, die Welt zu erfahren. Und es ist, jenseits von kognitiven Fähigkeiten, in der Lage, alles zu spüren. Von der Atmosphäre im Haus bis zu den Emotionen der Menschen, die um es herum sind. Alles geht ungefiltert in das frühkindliche System.
Was mag das mit so einem kleinen Menschen im weiteren Leben gemacht haben?
Manche berichten, dass sie sich fort ihres Lebens „irgendwie anders als die anderen“ gefühlt haben. Nicht zugehörig und irgendwie nicht am richtigen Ort. Dieses Gefühl von falsch sein, anders sein, begleitet sie schon ein Leben lang. Manche beschreiben es wie eine Art Glaswand, die zwischen ihnen und dem Rest der Welt zu spüren ist. Sie sind anwesend, aber nicht richtig da. Und schon gar irgendwo so richtig dabei oder zugehörig.
Babys können sich nicht schützen und nehmen alles auf, was die Umgebung für es bereitstellt.
Wenn es zu stressig für sie wird, neigten manche Babys irgendwann dazu, sich steif zu machen und die Muskeln anzuspannen, um sich zu schützen. Sie schmiegen sich nicht mehr richtig an, wenn sie Körperkontakt haben. Dieses Muster kennt der Körper oft noch Jahre oder Jahrzehnte später.
Die kleinen Kinder werden nicht nur körperlich fest, sie ziehen sich sozusagen in ihren Wesenskern zurück. Später werden sie möglicherweise mehr aus dem Kopf leben. Aus Konzepten, Phantasien, Gedanken und Konstrukten. Viele Ideen, auf denen wenig Umsetzung folgt. Es fällt ihnen leichter, die Dinge aus der Meta-Ebene zu betrachten, als in die Selbstbeobachtung zu kommen.
Der Körper wird nicht als sicherer Ort empfunden und so ist es nur nachvollziehbar, warum eine Entfremdung zum eigenen Körper stattfindet. Etwas, was für viele Betroffene zum Lebensthema wird.
Das Geburtserlebnis kann dafür sorgen, dass ein Mensch sich niemals richtig in sich und im eigenen Körper angekommen fühlt. Und somit nicht im Leben. Er fühlt sich wahrscheinlich sehr schnell überfordert, hat ein Nervensystem, was die Geschichte von damals noch heute erzählt.
Hochsensibilität, die sich auf eine ständig erhöhte Wachsamkeit eingestellt hat, führt dauerhaft zur Überforderung. Die Natur ist für viele Betroffene zumeist der einzige sichere Wohlfühlort. Hier wird Verbindung zum Ursprung des Lebens gefühlt und vielleicht auch eine Art Heimatgefühl erlebt.
Natur, Tiere, das alles fühlt sich sicherer an als unter Menschen zu sein.
Geht der Start ins Leben einher mit einer bedrohlichen Geburtssituation, geht das langfristig möglicherweise auf Kosten der gefühlten Lebendigkeit. Ins Leben zu kommen ist nämlich Expansion pur. Kraftvoll, Platz einnehmend, sehr aktiv. Ist der Geburtsprozess von Todesangst begleitet worden, so kommt es zu einer Verknüpfung.
Lebendigkeit, Expansion, Kraft, all das kann sich deshalb später bedrohlich anfühlen. Und sorgt dafür, dass Menschen nicht ihn ihr Leben finden, obwohl sie sich nichts sehnlicher wünschen.
Aus diesem Umstand kommt es bei einigen vielleicht zu einem Empfinden von tiefer Wut. Darüber, nicht mit dem Gefühl des Willkommen Sein auf dieser Welt gelandet zu sein. Nicht den Schutz erfahren zu haben, den sie gebraucht hätten. Sollte es darüber hinaus seitens der Mutter noch den Versuch gegeben haben, die Schwangerschaft zu beenden, wirkt das noch zusätzlich und verstärkt den inneren Glauben, dass einem das Leben quasi von Beginn an abgesprochen wurde.
Wut jedoch hat ebenso eine enorme Expansionsenergie, die, würde sie frei gefühlt werden, eher schnell in die Überforderung führen könnte. Unbewusst wissend, dass man diese Energie nicht halten kann, wird die Wut dann dissoziiert und unterdrückt. Doch der Kampf bleibt im Inneren mal mehr, mal weniger aktiv. Wer dann, unwissend über einen traumatischen Hintergrund, mit Methoden therapiert wird, die den Betroffenen rücksichtslos in alte, überfordernde Gefühle katapultieren, der kommt im besten Fall mit dem Schrecken davon. Denn hierbei geht es um nichts, was man einfach weg schreien, hauen oder über Techniken weg atmen könnte.
Katharische Methoden sind absolut nicht angesagt, nicht traumasensibel und können im schlimmsten Fall retraumatisierend wirken. Das kann nicht oft genug erwähnt werden.
Betroffene erleben sich im weiteren Leben in einem vorwiegend sympatikonen Nervensystemzustand, der undifferenziert ist. Sie haben oftmals keine Ahnung, woher das kommt. Mit Unruhe, oft auch im Wechsel mit dissoziativen Phasen, reagiert der Körper noch Jahre später auf die frühkindlichen Erfahrungen.
Im Erwachsenenalter, im körperlichen Kontakt mit anderen, kann es zu unerklärbaren Gefühle von Überforderung oder Abneigung kommen. Zum Beispiel deshalb, weil die Bezugsperson sich damals selbst über das Nervensystem des Kindes reguliert hat. Der Körper vergisst diese überwältigende, missbräuchliche Form von Kontakt nicht. Um sich im Hier und Jetzt vor der alten, im Hier und Jetzt getriggerten Erfahrung zu schützen, hilft es den Betroffenen, sich abzuschotten oder zu dissoziieren.
Was bleiben kann, ist ein tiefes Gefühl von Unsicherheit. Und die Enttäuschung darüber, keine Nähe eingehen zu können.
Aber auch Gefühle von „wenn du weggehst, dann sterbe ich“ können auftreten und sehr viel Angst verursachen. Vielleicht wird dann in einer Beziehung geklammert oder viel gefordert, um Sicherheit zu erlangen.
Manche suchen für sich Lösungen und Erklärungen einer Form von Spiritualität, die durchaus kritisch hinterfragt werden darf. Im schlimmsten Fall gehen sie davon aus, dass ihr Leid karmisch bestimmt ist oder dass ihre Seele dieses (leidvolle) Leben gewählt hat. Andere sind jahrelang auf dem Pfad der Energiearbeit, lernen immer wieder neue Techniken oder suchen nach Erleuchtung. Das alles ist mehr als verständlich, denn niemand leidet freiwillig.
Doch die Ebene des Körpers und der Emotionen wird hierbei geflissentlich umgangen.
Hier sitzt die Angst, mit der man sich, unbewusst, nicht mehr konfrontieren möchte. Hier sitzt der Schmerz, der nicht gefühlt werden möchte. Und somit ist jede Form von Ablenkung die gedachte Lösung. Je attraktiver das Kleid ist, in dem die Ablenkung daher kommt, desto verführerischer.
Wieder andere tun genau das Gegenteil, was sehr schnell auf den Punkt gebracht werden kann: sie lehnen streng alles ab, wofür Beweise fehlen. Sie suchen nach Erklärungen, die logisch sind und damit aus ihrer Sicht verlässlich. Sie verlassen sich besser nicht auf das Leben oder das Göttliche, sondern behalten lieber selbst die Zügel in der Hand.
Betroffene, und das sei ausdrücklich erwähnt, haben großartige Kompetenzen.
Leidvolle Erfahrungen können genau dazu führen. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Sie haben oftmals einen sehr großen Sinn für Gerechtigkeit und sie stehen dafür ein. Es fällt ihnen leichter, andere einfach so sein zu lassen, wie sie sind. Sie sind oft sehr innovativ und kreativ und sie lieben es, Erkenntnisse zu machen und am Leben zu wachsen. Auch sind sie sehr feinfühlig, empathisch und wohlwollend. Oftmals jedoch haben sie diese eher für andere, ob für Menschen oder Tiere, als für sich selbst. Was damit zu tun hat, dass sie sich selbst nicht besonders nahe sind und sich selbst nicht gut spüren können.
Mitgefühl für sich selbst und das Erlebte ist jedoch der erste Schritt und das absolut wichtige auf dem Heilungsweg.
Zunächst geht es darum, zu erkennen und zu verstehen, was ihnen einst passiert ist. Um sich dann, in ihrem eigenen Tempo und auf traumasensible Weise, mit sich in einen tieferen Kontakt zu kommen.
Ein überfordernden Geburtserlebnis hat das Potential, zu einem Entwicklungstrauma zu werden. Ganz leise und dabei Jahrzehntelang unbemerkt.
Dieser Text wurde von mir und ohne KI erstellt. :)
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